Gibt es so etwas wie „Canadian English“?

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Englisch ist eine der beiden Amtssprachen in Kanada. Es ist die Muttersprache für 57% der kanadischen Bevölkerung und die meistgesprochene Sprache in acht von den zehn Provinzen und drei Territorien in Kanada. Ausnahmen bilden Quebec (die wichtigste Sprache ist Französisch) und Nunavut (hier spricht man Inuktitut, die Sprache der ureingesessenen Bevölkerung). Kanada ist zwar multikulturell, aber auch wenn die Eltern eine andere Muttersprache haben, wird in den meisten Haushalten Englisch gesprochen.

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Wie viele andere Sprachen hat auch das Englische regionale Variationen, Akzente und Dialekte. Unerfahrene Sprecher der Sprache finden es schwierig, die vielen Varianten auseinanderzuhalten. Sie haben bestimmt schon viel über die Unterschiede zwischen „British English“ und „American English“ gehört oder gelesen und haben vielleicht auch schon davon gehört, wie anders der Akzent der Südstaaten klingt. Aber haben Sie schon mal was von kanadischem Englisch gehört?

Eines der größten Vorurteile in der englischsprachigen Welt ist, dass es zwischen Amerikanern und Kanadiern keine Unterschiede gäbe außer, dass Kanadier am Ende eines Satzes immer „eh“ sagen und dass sie „out and about“ wie „oot and aboot“ aussprechen. Kanadier meinen aber, dass ihr Englisch dem „British English“ sehr viel ähnlicher sei als dem amerikanischen Englisch. Sie benutzen auch häufiger die britische Schreibweise, zum Beispiel bei „colour“ und „centre“.

Das kanadische Englisch ist eigentlich eine Mischung aus amerikanischem Englisch, britischem Englisch, Quebec-Französisch und regionalen kanadischen Varianten. Das kanadische und das US-amerikanische Englisch werden oft unter dem Begriff „North American English“ zusammengefasst. Für viele Ausländer ist es fast unmöglich, die Varianten der zwei Länder allein anhand des Klanges zu unterscheiden. Aufgrund der geographischen Lage sowie der engen wirtschaftlichen und sozialen Beziehungen zwischen Amerikanern und Kanadiern ist das „Canadian English“ dem „American English“ in Aussprache und Vokabular sehr ähnlich. Viele Aspekte der Grammatik, idiomatische Ausdrücke und große Teile des Wortschatzes sind allerdings britischen Ursprungs.

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Kleine Geschichtsstunde

Wenn man sich die kanadische Geschichte mal genauer anschaut, wird auch erkennbar, wie das heutige kanadische Englisch entstanden ist. Zunächst waren da natürlich die Ureinwohner. Zwischen ihnen gab es riesige kulturelle und sprachliche Unterschiede, da die einzelnen Stämme so weit voneinander entfernt lebten. Ihre Sprachen wurden nur geringfügig vom US-amerikanischen Englisch beeinflusst, denn sie legten größten Wert auf den Erhalt ihrer eigenen Sprache und Kultur. Mit dem Eintreffen der europäischen Siedler verbreiteten sich dann neue Sprachen. Das Französische dominierte bald die Region am Sankt-Lorenz-Strom; im Rest des Landes hingegen wurde Englisch gesprochen. Am Ende des Krieges gegen Frankreich kam 1763 schließlich der „Frieden von Paris“ zustande. Mit diesem Vertrag gaben die Franzosen ihre Hoheit über Neufrankreich auf. Die wenigen Franzosen, die weiterhin in dem Gebiet lebten, mussten die britische Staatsbürgerschaft annehmen. Durch die Welle an Einwanderern, die Kanada zunächst von Nordengland und anschließend von Irland überschwemmte, wurde zur Entwicklung einer neuen Variante des gesprochenen Englisch beigetragen.

Britische Aussprache

Wie oben erwähnt, ähnelt die kanadische Aussprache systematisch eher dem US-amerikanischen Englisch, einzelne Wörter folgen jedoch trotzdem den Regeln der britischen Aussprache. Zum Beispiel:

Der Buchstabe Z (Zett) wird wie im britischen Englisch als „zed“ ausgesprochen, die US-Amerikaner sagen dagegen „zee“.

Das Simple Past des Verbs „shine“ ist „shone“, das Partizip des Verbs „be“ ist „been“, die Wörter mit der Endung „ver“ werden ebenfalls ausgesprochen wie in England.

Der Vokal „i“ in der Nachsilbe „ile“ (zum Beispiel in Wörtern wie „fertile“, „hostile“, „mobile“ und „missile“) wird klar und deutlich ausgesprochen.

Siehe auch: Toronto-Guide: Die Top-Attraktionen in Kanadas größter Stadt

Anerkennung des kanadischen Englisch

Das kanadische Englisch ist offiziell eine eigenständige Variante des Englischen. Es hat seine eigenen Wörterbücher, eine sprachwissenschaftliche Kommission und Referenzwerke, die vom Oxford Dictionary abgeleitet sind. Die kanadische Presse hat ihre eigenen redaktionellen und Stil-Richtlinien. Die Editors’ Association of Canada hat erst kürzlich die zweite Ausgabe des Regelwerks Editing Canadian English herausgegeben.

Wörter, die nur im kanadischen Englisch existieren

Diese Wörter sind typisch „kanadisch“:

Runners: Spezielle Lauf- oder Trainingsschuhe.

Double: Eine Kaffeevariante mit Crème Double und zwei Stück Zucker.

Pop: Überbegriff für Sprudelgetränke.

Poutine: Ein typisches kanadisches Gericht französischen Ursprungs.

Loonie: Ein Dollerstück.

Knapsack: Rucksack.

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